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Schuldopfer – welche Wirkung hat es?

von Markus Reins


Nachdem wir uns im letzten Thema mit dem biblischen Verständnis von „Sünde“ beschäftigt haben, ist es wichtig nun den Ausweg Gottes aus der Trennung heraus zu betrachten.

Da der Mensch nach dem Sündenfall von Gott getrennt war – die Bibel bezeichnet dies als Tod in Sünde – gab es keine Möglichkeit mehr mit Gott in Verbindung zu treten. Der Zorn Gottes lag auf den Menschen:

… indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren wie auch die anderen. – Eph. 2,3

Um diesen Zorn Gottes zu besänftigen finden wir schon in den Anfängen der Bibel den Opferritus. Ein Opfer wurde aus Dankbarkeit gegenüber Gott, aber auch zur Besänftigung Gottes bei Schuld gebracht.

Als später Gott Israel zu Seinem Volk erwählt, gibt ER eine sehr umfangreiche Anordnung für die verschiedensten Opferrituale. Ein großer Teil der Bücher Moses handeln von diesem äußerst wichtigen Thema.
Da unsere Thematik aber von Schuld, Sünde, Trennung von Gott handelt, werden wir hier nur auf das Schuldopfer eingehen und Dankopfer, Hebopfer, Speisopfer etc. nicht betrachten.
Es wäre zu umfangreich.

Interessant ist die Bedeutung des hebräischen Wortes korban, welches wir mit „Opfer“ übersetzen.
Es bedeutet: sich nähern, heranbringen.
Also ist ein Opfer etwas, das die Trennung überwindet und mich näher an Gott heranbringt!


Weil wir Menschen eben permanent von Gott getrennt sind, war es täglich notwendig, dass Priester, die sich Gott jeden Tag nahen wollten, „entsündigt“ werden mussten.
Als Opfer für unsere Übertretungen musste ein Tier sterben. Es durfte nicht irgendein Tier sein, sondern es musste ein fehlerloses Exemplar sein.

Auch sollst du täglich einen Stier zur Sühnung als Sündopfer darbringen und den Altar entsündigen, indem du Sühnung an ihm vollziehst, und du sollst ihn salben, um ihn zu heiligen. 2.Mose 29, 36

Entsündigen heißt hier, dass sich der Zustand des Menschen eigentlich nicht verändert hat. Durch das Opfer wurde nur die Trennung zwischen Gott und dem Menschen eine kurze Zeit aufgehoben, aber da das Wesen – oder Herz des Menschen – weiter böse war, musste dieses Opfer jeden Tag vollzogen werden, wenn die Priester das Heiligtum betreten wollten.

Wir können also sagen, dass ein Israelit der gerade geopfert hatte, von seiner Schuld gereinigt war, aber wenn er sich im nächsten Moment über seinen Mitmenschen ärgerte, und ihm ein Schimpfwort an den Kopf warf, er schon wieder von Gott getrennt war.

Ja, dass Gott dies wirklich so „scharf“ sieht, erkennen wir an der Aussage Jesu:

Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.
Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,
so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe. – Matt. 5, 22-24

Oh, weh!, denkt jetzt vielleicht jemand, wenn das so ist, was hat das Opfern eigentlich für einen Sinn? Wie kann ein natürlicher Mensch jemals zu Gott kommen – wie kann die Trennung zwischen Gott und mir jemals überwunden werden?
Es gibt doch nicht genug Tiere, für die Fülle von Versagen und Schuld jedes einzelnen Menschen!
Auch die Jünger Jesu waren entsetzt, als sie erkannten, dass es einem Menschen eigentlich unmöglich ist, zu Gott zu kommen:

Als das seine Jünger hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen: Ja, wer kann dann selig werden?
Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist's unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich. – Matt. 19, 25+26

Wie sieht nun dieses „bei Gott sind alle Dinge möglich“ in der Praxis aus? Was ist der tiefe Sinn hinter dem alttestamentlichen Opferritus und den Geboten Gottes?

Kann es sein, dass Gott das Schuldopfer nur als Mittel für einen anderen, viel tiefer liegenden Zweck benutzen wollte?

Wenn ja, wie sah dieser Zweck aus – und vor allem, war es Menschen möglich diesen tieferen Zweck zu erkennen und damit Vergebung zu erlangen?

Ja, es war möglich! Um dies zu belegen, wollen wir nun den 51. Psalm genauer betrachten. Für diejenigen, denen die Geschichte von David und Batseba nicht bekannt ist, empfehle ich folgende Bibelstelle nachzulesen: 2. Samuel 11-13

Doch nun zu David:

"Ein Psalm Davids, vorzusingen,"
"Als der Prophet" "Nathan zu ihm kam, nachdem er zu Batseba eingegangen war."

Nachdem Nathan David schonungslos die Wahrheit gesagt hat, ist David zutiefst getroffen. Er weiß, dass es nach dem Gesetz nur eine einzige Möglichkeit für ihn gibt – den Tod!
Auf Ehebruch, und auch auf Mord stand die Todesstrafe nach dem Gesetz Moses – und davon war auch kein König ausgenommen.
Aber was tut David? Wie wirkt sich diese „Sündenerkenntnis“ bei ihm aus? Natürlich, er ist ja der König – wird er versuchen hier sein eigenes Recht durchzusetzen? Wird er die „Rechtsanforderungen Gottes“ zur Seite schieben?
Nein; wir sehen bei David einen anderen Zug! David ist ein Mann nach dem Herzen Gottes!
Die enge Gemeinschaft in der David – trotz Ehebruch und Mord – mit Gott lebte, seine aus dem tiefen Herzen kommende Liebe zu Gott, lassen David wahrhaftig vor Gott handeln.
Er weiß, er ist alleine vor Gott schuldig. Ja, die Strafe bedrückt David weniger als die Trennung von seinem geliebten Gott!
Er weiß genau, dass der Heilige Geist, den er empfangen hat, nicht durch ein Schuldopfer wieder besänftigt werden kann.
Er weiß, dass er nur eine einzige Chance hat:
Gottes Erbarmen! Wenn Gott ihm nicht gnädig ist – seine Schuld völlig ungesehen macht – gibt es für ihn keine Möglichkeit mehr, in der ihm so kostbaren, engen Gemeinschaft mit Gott weiter zu leben.

Die folgenden Verse drücken dies sehr deutlich aus:

Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden (Verfehlungen – Übertretungen) nach deiner großen Barmherzigkeit.
Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde (Verfehlung – Übertretung);
denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde (Verfehlung – Übertretung) ist immer vor mir.
An dir allein habe ich gesündigt (gefehlt oder mich vergangen) und übel vor dir getan, auf dass du Recht behaltest in deinen Worten und rein dastehst, wenn du richtest.
Siehe, ich bin als Sünder (Getrennter von Gott) geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden (Übertretungen und Verfehlungen) empfangen.
Siehe, dir gefällt Wahrheit, die im Verborgenen liegt, und im Geheimen tust du mir Weisheit kund.
Entsündige mich mit Ysop (Schaffe Du die Trennung von Dir, die Verfehlung des Zieles fort), dass ich rein werde; wasche mich, dass ich schneeweiß werde.

Hier geht es David um mehr als nur darum, dass seine „böse Tat“ vergeben werden soll. Hier wünscht sich David eine „Entsündigung“ – sprich: Er wünscht sich, dass nicht nur seine Schuld vergeben wird. Er möchte das die Trennung von Gott – die Wurzel aller Verfehlungen – entfernt wird: David möchte gern wieder schneeweiß sein – so als hätte es nie eine Trennung von Gott gegeben!
Dies wird später bestätigt, als er Gott um ein „neues Herz“ bittet. David erkennt die Verlorenheit seiner ganzen Existenz.

Lass mich hören Freude und Wonne, dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast.
Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden (Übertretungen – Verfehlungen), und tilge alle meine Missetat.

Hier drückt David das Opferverständnis der Bibel sehr deutlich aus. Er weiß, dass ER nur eine Chance hat: Gott muss seine Verfehlung entfernen!
Aber ganz klar steht ihm vor Augen, dass dies mit Opfern allein nicht erreicht werden kann (Vers 18).
Deutlich sehen wir hier, dass es schon im Alten Testament möglich war, den wirklichen Sinn des Gesetzes und des Opferns zu erkennen.
Obwohl Gott selbst das Opfern für die Entfernung unserer Schuld eingesetzt hat, war es möglich Gottes tiefere Absichten mit diesen Geboten zu erkennen.
Ja, David kommt zu einem durchaus „neutestamentlichen“ Bußverständnis:

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.
Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.
Ich will die Übertreter deine Wege lehren, dass sich die Sünder (Verirrten, in Verfehlung lebenden) zu dir bekehren.
Errette mich von Blutschuld, Gott, der du mein Gott und Heiland bist, dass meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme.
Herr, tu meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige.
Denn Schlachtopfer willst du nicht, ich wollte sie dir sonst geben, und Brandopfer gefallen dir nicht.
Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.
– Ps. 51, 1-19

An diesem Bericht des Alten Testamentes sehen wir sehr deutlich, dass es Gott um mehr ging, als nur das einfache Befolgen von Geboten oder eine oberflächliche „Entsündigung“ durch ein Schuldopfer.
Gott wusste, dass der Mensch Seine Gebote nicht halten konnte. ER wusste auch, dass das Blut von Tieren eigentlich nicht die Schuld hinwegnehmen konnte.
ER wollte, dass der Mensch durch die Konfrontation mit Anforderungen, denen er nicht gerecht werden konnte, erkennt:
„Oh, mein Gott! Ich bin rettungslos verloren! Alles was ich tue, ist eine wahnsinnige Quälerei – und dann passiert mir ein Fehler, und alles war umsonst!
Ich kann Gott nichts bringen – außer meine Unfähigkeit! Gott, warum hast Du Deine Gebote gegeben, wenn wir nicht in der Lage sind sie zu erfüllen?
Ja, ich beginne zu verstehen!!! Es ging Dir nicht um das Erfüllen von Geboten – sondern, dass ich in diese Verzweiflung komme, dass ich mich, und meine Stellung vor Dir erkenne!
Ja, ich soll an mir selbst zerbrechen – erkennen, dass mir nur eines hilft: Dein Erbarmen – Deine Gnade!

Paulus drückt dies sehr passend aus:

Wir wissen aber: was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, damit allen der Mund gestopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei,
weil kein Mensch durch die Werke des Gesetzes vor ihm gerecht sein kann. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde (Verfehlung – Übertretung). – Rö. 3, 19+20

Gott geht es nicht um unsere Taten – es geht IHM um unser Herz!

Was ist unser Herz?

Wenn die Bibel von unserem Herzen spricht, meint sie unser tiefstes Wesen. Nicht unsere oberflächlichen Empfindungen, Gedanken und Gefühlsregungen – nein, dass was uns wirklich ausmacht.

Um es in einem Bild zu beschreiben:
Wenn unser Leben ein tiefes Meer wäre, wären unsere Gedanken, Gefühle wie die Oberfläche des Meeres.
Diese Oberfläche wird bewegt von den Winden des täglichen Lebens – aber die Tiefe berührt dies nicht.
Diese Tiefe ist unser Herz. Wenn der Sturm vorbei ist, wird der Einfluss der Tiefe, die bewegten Wellen wieder glätten.

Natürlich ist unser Herz keine ruhige Tiefe, wie in diesem Bild beschrieben, unser Herz ist böse:

Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar. – 1.Mose 6, 5

Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. - Jer. 17, 9

… denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,
Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft.
– Mark. 7, 21+22


Uns ist diese Wahrheit aber nicht bewusst. Wir denken, dass wir doch eigentlich gar nicht so schlecht sind, oder?

Und deswegen hat Gott uns Seine Gebote gegeben. Sie sollen uns zu Gott hintreiben. Wir sollen erkennen, dass wir ein böses Herz haben.

Wenn das Gesetz dieses Ziel erreicht hat, wenn wir unseren wahren Zustand erkennen, wird Gott sich unser erbarmen – so wie ER sich über David erbarmt hat.

Aber halten wir uns vor Augen, dass die Voraussetzung für Gottes Erbarmen unser Zerbrechen ist. Gott möchte uns zuerst zu diesem Punkt bringen, sonst könnten wir die Tiefe der Vergebung, das Wunder der Gnade Gottes nicht richtig erfassen.

Auch Jesus sagt, dass es auch Seine Aufgabe ist, dieses Zerbrechen herbeizuführen, indem ER die Prophezeiung Jesajas (Jes. 42, 3) für sich in Anspruch nimmt:

... ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen, und einen glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht hinausführe zum Sieg! – Matt. 12, 20

Ohne Zerbruch gibt es keine Errettung – auch bei Jesus nicht!

Es ist von entscheidender Wichtigkeit, dass wir das richtige Verständnis über das Opfern im Alten Testament haben.
Wenn wir verstanden haben, was das Schuldopfer des Alten Testamentes bewirkte, welchen Zweck es erfüllte, können wir auch das Opfer Jesu am Kreuz – und die damit verbundenen Aussagen des Neuen Testamentes – im richtigen Licht sehen.

Wir werden erkennen, dass es nicht der Sinn und Zweck des Opfertodes Jesu ist, uns nur unsere bösen Taten zu vergeben, und uns ein „perfektes“ Leben hier auf dieser Erde zu ermöglichen.
Wir werden erkennen, dass der Opfertod Jesu am Kreuz, ein „Ein-für-alle-Mal“-Opfer ist. Das heißt, wir werden durch den Tod Jesu nicht zu besseren Menschen – nein, nur unsere Trennung von Gott wird aufgehoben, indem wir ständig und unaufhörlich durch das Blut Jesu reingewaschen werden.

Denn das Gesetz hat nur einen Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst. Deshalb kann es die, die opfern, nicht für immer vollkommen machen, da man alle Jahre die gleichen Opfer bringen muss.
Hätte nicht sonst das Opfern aufgehört, wenn die, die den Gottesdienst ausrichten, ein für alle Mal rein geworden wären und sich kein Gewissen mehr gemacht hätten über ihre Sünden?
Vielmehr geschieht dadurch alle Jahre nur eine Erinnerung an die Sünden (Verfehlungen – Übertretungen).
Denn es ist unmöglich, durch das Blut von Stieren und Böcken Sünden (Verfehlungen – Übertretungen) wegzunehmen. – Hebr. 10, 1-4

Doch mehr dazu im nächsten Thema!

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