|
Flimmernd kräuselte sich die
ofenheiße Luft über der kahlen, felsigen Landschaft. Vereinzelt
konnte man hier und da vertrocknete Sträucher und Dorngewächse
erkennen. Felsbrocken und scharfkantiges Geröll bedeckte den
aufgeheizten Boden.
Doch dort in der Ferne - bewegte sich da nicht etwas – sollte es
hier Leben geben, wo weit und breit kein Tropfen Wasser zu finden
war?
Ja, tatsächlich, da lief ein Mensch. Mit schnellen, leichten
Schritten lief ein Mann durch diese Landschaft. Er war weder
muskulös noch abgemagert, alles schien in einem harmonischen
Verhältnis zu stehen.
Er war mit einem weiten rauen, mantelartigen Umhang aus Kamelfell
gekleidet, dieser hatte eine große Kapuze, die er, zum Schutz gegen
die Sonne, über seinen Kopf gezogen hatte. Um die Hüften wurde
dieser Umhang mit einer geflochtenen Schnur aus Tiersehnen zusammen
gehalten.
Seine Füße waren mit leichten mokassinartigen Schuhen bekleidet, die
mit getrocknetem Gras ausgepolstert waren.
Er war mit einem etwa mannsgroßen, knorrigen Stab aus hartem
Akazienholz, einem Messer und einem Kalebassen-Trinkgefäss
ausgerüstet – sonst war weiter nichts vorhanden.
Immer wieder glitt sein Blick zu einem wolkenlosen Himmel, von dem
unbarmherzig die Sonne strahlte.
Er wusste, dass sein Weg noch weit sein würde – zu weit, um ihn
lebend bewältigen zu können.
Ja, im Moment war er noch ausgeruht – doch sein erfahrener Sinn
bestätigte ihm, die sich mehrenden Anzeichen zunehmender
Austrocknung.
Wieder glitt sein Blick suchend über den Himmel – wann würden sie
kommen?
Da, - auf einmal erkannten seine scharfen Augen einen winzigen
dunklen Punkt, der hoch am Himmel langsam näher zog.
Ein leichtes Lächeln umspielte seine ausgetrockneten Lippen – jetzt
wusste er, dass er sein Ziel doch noch erreichen würde.
Dieses Lächeln veränderte sich um einem harten Zug als er dachte:
„Entweder fresst ihr mich – oder ich fresse euch!“
Während er weiter ging, begannen sich plötzlich seine Bewegungen zu
verändern. Sein bisher leichter, flüssiger Gang zeigte auf einmal
ein deutliches Hinken, er wurde schwankend, und von Zeit zu Zeit
blieb der Mann stehen.
Der dunkle Punkt war näher gekommen und kreiste jetzt über ihm. Ja,
er war bemerkt worden – und wo einer kreiste würden sich sehr bald
weitere einfinden.
Wieder glitt sein Blick nach oben – ja, dort von Südwesten näherten
sich zwei weiter Punkte – und dort… ja, man konnte nach einiger Zeit
noch einen erkennen, der aus der gleichen Richtung kam.
Jeder dieser riesigen Vögel bedeute ca. 1-1½ Liter nahrhafte, im
perfekten isotonischen Verhältnis stehende Flüssigkeit.
Während sein Gang immer torkelnder wurde, hatte sich die Zahl der
über ihm kreisenden Punkte auf fünf erhöht.
Statt weiter nach oben zu blicken, streifte sein Blick nun über die
Landschaft – und ja, dort hinten hatte er eine passende Stelle
entdeckt.
Dort bei dem kleinen Felsüberhang lagen mehrere große Felsen dicht
bei einander – dort würde es geschehen.
Taumelnd fiel er zu Boden und blieb eine Weile in dem glühenden
Staub liegen. Dann raffte er sich auf Hände und Knie auf, und blieb
mit hängendem Kopf einen Moment stehen.
Schwer torkelnd kam er wieder auf die Füße, doch nur um nach ca.
fünfzig Metern wieder hinzufallen – endlich, nach 20 Minuten hatte
er seinen Platz erreicht. Mit dem Rücken zur Wand fiel er zu Boden.
Sein weiter Umhang lag lose über ihm um seine leichten
Atembewegungen zu verbergen.
Regungslos lag er dort hingestreckt – doch einem aufmerksamen
Beobachter wäre aufgefallen, dass seine Stellung ein blitzartiges
Aufspringen ermöglichen würde.
Auch lag seine rechte Hand auf seinem Stab – ja, man konnte sehen
wie sie diesen harten, knorrigen Stab liebevoll streichelte: … wie
oft hatte dieser Stab ihm treue Dienste geleistet!
Seine linke Hand verdeckte mit gespreizten Fingern seine Augen – um
ihm ein unregistriertes
Beobachten zu ermöglichen.
In der Zwischenzeit waren die Punkte tiefer gekommen; sieben riesige
Geier – sie hatten ca. 3 Meter Spannweite - kreisten inzwischen über
ihm. Ohne einen Flügelschlag ließen sie sich in der Thermik treiben
– sich gegenseitig argwöhnisch belauernd.
Ja, er wusste Bescheid, und hoffte, dass es noch mehr werden würden
– je mehr es würden, desto besser. Ihr ausgeprägter Futterneid, ihre
Gier danach nur ja das meiste zu bekommen, waren seine Verbündeten.
Nach ungefähr 2 Stunden regungslosem Warten – es war mittlerweile
später Nachmittag – hörte er ein heiseres Krächzen auf dem Überhang
über sich… ja, sie würden kommen!
Doch es dauerte noch ca. eine Stunde – bald würde die Sonne
untergegangen sein – bis ein Rauschen in der Luft zu hören war. Mit
flappendem Flügelschlag landete der erste auf dem Felsen vor ihm.
Doch nicht lange danach war wieder ein Rauschen zu hören und mit
ärgerlichem Krächzen landeten drei weitere. Nun war es mit der Ruhe
vorbei. Sich misstrauisch beäugend und zornig krächzend versuchte
einer den anderen von seinem Platz zu drängen – jeder wollte der
erste sein, der frisst!
Doch es war zu früh – er musste Gewissheit haben.
Auf einmal hörte man ein leises Stöhnen, danach ein schwaches
Husten, krampfhaft zuckten die Beine……. wildes, lautes Flügelflappen
und aufgeregtes Krächzen erfüllte die Luft. Sich gegenseitig
behindernd flatterte die ganze Schar davon.
Aufgeregt ließen sie sich auf den umliegenden Felsen nieder – doch
in einer Stunde würde es Nacht sein.
Wohl wissend, wo sie ihn morgen finden würden, erhoben sie sich
einer nach dem anderen und flogen weg …… nach Südwesten.
Nachdem der letzte weggeflogen war, stand unser Mann auf. Er
massierte die steif gewordenen Glieder und machte ein paar
Kniebeugen – sein Mund war total trocken und er wusste, dass es
wichtig war jede unnötige Bewegung und Anstrengung zu vermeiden.
Ruhig deckte er sich mit seinem Umhang zu und schlief ein.
Kaum war am nächsten Morgen die Sonne über den Horizont gestiegen,
bot sich uns das gleiche Bild wie am Tag zu vor.
Doch diesmal sahen wir schon nach einer Stunde, wie sich 15 Vögel in
den morgendlichen Winden segelnd näherten. Je näher sie kamen, desto
deutlicher konnte man zorniges Krächzen vernehmen – ja, manche
attackierten sich sogar in der Luft. Es war ein schauriger Lärm.
Diesmal dauerte es keine zehn Minuten und der erste landete auf den
Felsen vor ihm. Da noch einer – und bald schubsten und drängelten
sich alle 15 auf den umliegenden Felsen.
Unser Mann lag regungslos.
Da! - der erste hüpfte auf den Boden, und da noch einer – mit
ausgestrecktem Hals näherten sie sich ihm.
Doch die anderen wollten ihnen nicht kampflos den Vortritt lassen
und so drängelten sie sich bald alle gegenseitig kämpfend in
nächster Nähe um unsern Mann.
Jetzt war der Zeitpunkt gekommen!
Diese riesigen Vögel – jeder wiegt über 15 Kilo – haben ein Problem:
Sie brauchen Platz, um ihre mächtigen Schwingen zu entfalten.
Außerdem benötigen sie drei bis vier Starthopser, um abheben zu
können – und dies war seine Chance.
Dazu kam, dass sie, um besser fliegen zu können, ein sehr leicht
gebautes Skelett besitzen – er musste mit aller Kraft auf die Stelle
hinter dem Halsansatz schlagen, oder eine Schwinge zertrümmern, dies
würde sie nicht töten, aber lähmen.
Blitzschnell sprang unser Mann auf – zwei schnelle kräftige Hiebe
seines Stabes krachten auf zwei Geier hernieder. Er schlug zwar noch
nach einem dritten, aber diesen konnte er nicht mehr recht treffen
und so konnte er entkommen.
Nach kurzem aufgeregtem Tumult war es wieder still geworden – alle
Geier hatten sich verzogen – vor ihm lagen zwei der Vögel.
Sie lagen flach auf dem Boden, weil sie ihre Beine nicht mehr
gebrauchen konnten.
Mit entschiedenen Griffen nahm unser Mann seine Kalebasse und sein
Messer. Er griff sich einen der Vögel und durchtrennte mit raschem
Schnitt eine der Hauptadern des Halses. Pulsierend strömte das Blut
in die Kalebasse, bis der Vogel verendet war.
Langsam, am Anfang schluckweise, trank er diese kostbare
Flüssigkeit, die er so nötig brauchte. Dann nahm er den toten Vogel
und breitete seine Schwingen aus. Mit Hilfe seines Gürtels und des
Stabes band er den Vogel zu einer Art Zelt zusammen.
Er wusste, dass er noch bis zur Nacht warten musste, um weiter zu
laufen. In der Kühle der Nacht würde er müheloser vorwärts kommen.
Doch bis dahin wollte er so wenig wie möglich Kräfte verlieren –
bald würde die Sonne da sein.
Er suchte sich den am besten geschützten Platz aus, legte den toten
Vogel so, dass er zusätzlichen Schatten bot, und legte seinen Umhang
locker über seinen Körper – der andere Geier musste bis zum Abend
warten.
Gegen Abend tötete er den zweiten Geier, trank dessen Blut und
wartete eine kurze Zeit, bis er die stärkende Wirkung spürte.
Nun stand er auf, band seinen Umhang fester, nahm seinen Stab und
ging mit dem bekannten leichten Schritt vorwärts ….. nach Südwesten.
Nach ca. 20 Kilometern änderte sich die Landschaft. Neben den
vertrockneten Sträuchern erschienen sich mehrende Akazienbäume.
Als er an ein nach Südwesten führendes Wadi kam, folgte er dem
Flusslauf. Es war schon zur Zeit der Morgendämmerung, als er
plötzlich ein leises Plätschern hörte. Nachdem er um eine Felsecke
gebogen war, stand er vor einer kleinen Quelle, die einen kleinen
Tümpel speiste.
In diesem Moment ging die Sonne auf und tauchte die umliegende
Landschaft in ihr goldenes Licht.
Während er sich das reine kühle Wasser über die Hände laufen ließ,
hörte er über sich ein leises Krächzen.
Leise vor sich hinlächelnd trank er von dem lebensspendenden Nass….
ja, er würde sein Ziel erreichen!
Ein Desertman überlebt dort – wo andere verdursten.
________________________________
Wir haben alle einen fürchterlichen
Feind, der uns weit überlegen ist.
Er ist nicht den feindlichen Umständen unterworfen wie wir, weil er
eine andere Dimension beherrscht.
Sein ganzes Trachten geht danach uns zu vernichten und zu zerstören.
Ja, er hat eine Strategie und mit übernatürlicher Intelligenz plant
er die Zerstörung der Kinder des Lichtes.
Entweder wir besiegen ihn – oder er wird uns unweigerlich
besiegen.
Doch wir haben eine Chance – eine einzige Chance.
Ja, wenn wir dies alle erkennen, müssen sogar alle die bösen
Anschläge des Bösen uns zum Besten dienen.
Durch die Hilfe des Heiligen Geistes dürfen wir lernen, was des
Bösen Ziele sind. Mit geöffneten Augen, geschärften Verstand und
hörenden Ohren sind wir in der Lage siegreich zu sein. Doch es gibt
da eine Bedingung:
Ein Leben unter der Leitung des Heiligen Geistes, gewappnet durch
die Rüstung des Geistes.
Die Wüste wird beweisen, ob wir hier recht „ausgerüstet“ sind.
Solange es uns gut geht, fällt es leicht alles zu glauben oder zu
behaupten – doch die Wüste – oder biblisch gesprochen das Feuer -
wird beweisen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind. Worte sind
Schall und Rauch – das Leben zählt!
Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern
mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die
in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem
Himmel.
Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen
Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das
Feld behalten könnt. (Eph. 6, 12-13)
|