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Englische Version


The Desertman
Markus Piercy-Reins
















Flimmernd kräuselte sich die ofenheiße Luft über der kahlen, felsigen Landschaft. Vereinzelt konnte man hier und da vertrocknete Sträucher und Dorngewächse erkennen. Felsbrocken und scharfkantiges Geröll bedeckte den aufgeheizten Boden.

Doch dort in der Ferne - bewegte sich da nicht etwas? Sollte es hier Leben geben, wo weit und breit kein Tropfen Wasser zu finden war?

Ja, tatsächlich, da lief ein Mensch. Mit schnellen, leichten Schritten lief ein Mann durch diese Landschaft. Er war weder muskulös noch abgemagert, alles schien in einem harmonischen Verhältnis zu stehen.
Er war mit einem weiten rauen, mantelartigen Umhang aus Kamelfell gekleidet, dieser hatte eine große Kapuze, die er, zum Schutz gegen die Sonne, über seinen Kopf gezogen hatte. Um die Hüften, wurde dieser Umhang mit einer geflochtenen Schnur aus Tiersehnen zusammen gehalten.
Seine Füße waren mit leichten mokassinartigen Schuhen bekleidet, die mit getrocknetem Gras ausgepolstert waren.
Zusätzlich war er mit einem etwa mannsgroßen, knorrigen Stab aus hartem Akazienholz, einem Messer und einem Kalebassen-Trinkgefäss ausgerüstet – sonst war weiter nichts vorhanden.

Immer wieder glitt sein Blick zu einem wolkenlosen Himmel, von dem unbarmherzig die Sonne strahlte.

Er wusste, dass sein Weg noch weit sein würde – zu weit, um ihn lebend bewältigen zu können.
Ja, im Moment war er noch ausgeruht – doch sein erfahrener Sinn bestätigte ihm, die sich mehrenden Anzeichen zunehmender Austrocknung.

Wieder glitt sein Blick suchend über den Himmel – wann würden sie kommen?

Da! Auf einmal erkannten seine scharfen Augen einen winzigen dunklen Punkt, der hoch am Himmel langsam näher zog.
Ein leichtes Lächeln umspielte seine ausgetrockneten Lippen – jetzt wusste er, dass er sein Ziel doch noch erreichen würde.
Dieses Lächeln veränderte sich um einem harten Zug, als er dachte:

„Entweder fresst ihr mich – oder ich fresse euch!“

Während er weiter ging, begannen sich plötzlich seine Bewegungen zu verändern. Sein bisher leichter, flüssiger Gang zeigte auf einmal ein deutliches Hinken, er wurde schwankend, und von Zeit zu Zeit blieb der Mann stehen.
Der dunkle Punkt war näher gekommen und kreiste jetzt über ihm. Ja, er war bemerkt worden – und wo einer kreiste würden sich sehr bald weitere einfinden.
Wieder glitt sein Blick nach oben – ja, dort von Südwesten näherten sich zwei weitere Punkte – und dort… ja, man konnte nach einiger Zeit noch einen erkennen, der aus der gleichen Richtung kam.

Jeder dieser riesigen Vögel bedeute ca. 1-1½ Liter nahrhafte, im perfekten, isotonischen Verhältnis stehende Flüssigkeit.
Während sein Gang immer torkelnder wurde, hatte sich die Zahl der über ihm kreisenden Punkte auf fünf erhöht.

Statt weiter nach oben zu blicken, streifte sein Blick nun über die Landschaft – und ja, dort hinten hatte er eine passende Stelle entdeckt.
Dort, bei dem kleinen Felsüberhang, lagen mehrere große Felsen dicht bei einander – dort, würde es geschehen.

Taumelnd fiel er zu Boden und blieb eine Weile in dem glühenden Staub liegen. Dann raffte er sich auf Hände und Knie auf, und blieb mit hängendem Kopf einen Moment stehen.
Schwer torkelnd kam er wieder auf die Füße, doch nur um nach ca. fünfzig Metern wieder hinzufallen – endlich, nach 20 Minuten hatte er seinen Platz erreicht. Mit dem Rücken zur Wand fiel er zu Boden. Sein weiter Umhang lag lose über ihm, um seine leichten Atembewegungen zu verbergen.
Regungslos lag er dort hingestreckt, doch einem aufmerksamen Beobachter wäre aufgefallen, dass seine Stellung ein blitzartiges Aufspringen ermöglichen würde.
Auch lag seine rechte Hand auf seinem Stab – ja, man konnte sehen, wie sie diesen harten, knorrigen Stab liebevoll streichelte … wie oft hatte dieser Stab ihm treue Dienste geleistet!

Seine linke Hand verdeckte mit gespreizten Fingern seine Augen – um ihm ein unregistriertes
Beobachten zu ermöglichen.

In der Zwischenzeit waren die Punkte tiefer gekommen; sieben riesige Geier – sie hatten ca. 3 Meter Spannweite - kreisten inzwischen über ihm. Ohne einen Flügelschlag ließen sie sich in der Thermik treiben – sich gegenseitig argwöhnisch belauernd.

Ja, er wusste Bescheid, und hoffte, dass es noch mehr werden würden – je mehr es würden, desto besser. Ihr ausgeprägter Futterneid, ihre Gier danach, nur ja das meiste zu bekommen, waren seine Verbündeten.

Nach ungefähr 2 Stunden regungslosem Warten – es war mittlerweile später Nachmittag – hörte er ein heiseres Krächzen auf dem Überhang über sich… ja, sie würden kommen!

Doch es dauerte noch ca. eine Stunde – bald würde die Sonne untergegangen sein – bis ein Rauschen in der Luft zu hören war. Mit flappendem Flügelschlag landete der erste auf dem Felsen vor ihm.
Doch nicht lange danach war wieder ein Rauschen zu hören und mit ärgerlichem Krächzen landeten drei weitere. Nun war es mit der Ruhe vorbei. Sich misstrauisch beäugend und zornig krächzend, versuchte einer den anderen von seinem Platz zu drängen – jeder wollte der erste sein, der frisst!

Doch es war zu früh – er musste Gewissheit haben.

Auf einmal hörte man ein leises Stöhnen, danach ein schwaches Husten, krampfhaft zuckten die Beine……. wildes, lautes Flügelflappen und aufgeregtes Krächzen erfüllte die Luft. Sich gegenseitig behindernd, flatterte die ganze Schar davon.
Aufgeregt ließen sie sich auf den umliegenden Felsen nieder – doch in einer Stunde würde es Nacht sein.
Wohl wissend, wo sie ihn morgen finden würden, erhoben sie sich, einer nach dem anderen, und flogen weg …… nach Südwesten.
Nachdem der letzte weggeflogen war, stand unser Mann auf. Er massierte die steif gewordenen Glieder und machte ein paar Kniebeugen – sein Mund war total trocken und er wusste, dass es wichtig war, jede unnötige Bewegung und Anstrengung zu vermeiden.
Ruhig deckte er sich mit seinem Umhang zu und schlief ein.

Kaum war am nächsten Morgen die Sonne über den Horizont gestiegen, bot sich uns das gleiche Bild wie am Tag zu vor.
Doch diesmal sahen wir schon nach einer Stunde, wie sich 15 Vögel in den morgendlichen Winden segelnd näherten. Je näher sie kamen, desto deutlicher konnte man zorniges Krächzen vernehmen – ja, manche attackierten sich sogar in der Luft. Es war ein schauriger Lärm.
Diesmal dauerte es keine zehn Minuten und der erste landete auf den Felsen vor ihm. Da noch einer – und bald schubsten und drängelten sich alle 15 auf den umliegenden Felsen.

Unser Mann lag regungslos.
Da! - der erste hüpfte auf den Boden, und da noch einer – mit ausgestrecktem Hals näherten sie sich ihm.
Doch die anderen wollten ihnen nicht kampflos den Vortritt lassen und so drängelten sie sich bald, alle gegenseitig kämpfend, in nächster Nähe um unsern Mann.

Jetzt war der Zeitpunkt gekommen!

Diese riesigen Vögel – jeder wiegt über 15 Kilo – haben ein Problem: Sie brauchen Platz, um ihre mächtigen Schwingen zu entfalten. Außerdem, benötigen sie drei bis vier Starthopser, um abheben zu können – und dies war seine Chance.
Dazu kam, dass sie, um besser fliegen zu können, ein sehr leicht gebautes Skelett besitzen. Er musste mit aller Kraft auf die Stelle hinter dem Halsansatz schlagen, oder eine Schwinge zertrümmern, dies würde sie nicht töten, aber lähmen.

Blitzschnell sprang unser Mann auf – zwei schnelle, kräftige Hiebe seines Stabes krachten auf zwei Geier hernieder. Er schlug zwar noch nach einem dritten, aber diesen konnte er nicht mehr richtig treffen und so konnte er entkommen.

Nach kurzem aufgeregtem Tumult war es wieder still geworden – alle Geier hatten sich verzogen – vor ihm lagen zwei der Vögel.
Sie lagen flach auf dem Boden, weil sie ihre Beine nicht mehr gebrauchen konnten.
Mit entschiedenen Griffen nahm unser Mann seine Kalebasse und sein Messer. Er griff sich einen der Vögel und durchtrennte mit raschem Schnitt eine der Hauptadern des Halses. Pulsierend strömte das Blut in die Kalebasse, bis der Vogel verendet war.
Langsam, am Anfang schluckweise, trank er diese kostbare Flüssigkeit, die er so nötig brauchte. Dann nahm er den toten Vogel und breitete seine Schwingen aus. Mit Hilfe seines Gürtels und des Stabes band er den Vogel zu einer Art Zelt zusammen.
Er wusste, dass er noch bis zur Nacht warten musste, um weiter zu laufen. In der Kühle der Nacht würde er müheloser vorwärts kommen. Doch bis dahin wollte er so wenig wie möglich Kräfte verlieren – bald würde die Sonne da sein.
Er suchte sich den am besten geschützten Platz aus, legte den toten Vogel so, dass er zusätzlichen Schatten bot, und legte seinen Umhang locker über seinen Körper – der andere Geier musste bis zum Abend warten.

Gegen Abend tötete er den zweiten Geier, trank dessen Blut und wartete eine kurze Zeit, bis er die stärkende Wirkung spürte.

Nun stand er auf, band seinen Umhang fester, nahm seinen Stab und ging mit dem bekannten leichten Schritt vorwärts ….. nach Südwesten.
Nach ca. 20 Kilometern änderte sich die Landschaft. Neben den vertrockneten Sträuchern, erschienen sich mehrende Akazienbäume.
Als er an ein nach Südwesten führendes Wadi kam, folgte er dem Flusslauf. Es war schon zur Zeit der Morgendämmerung, als er plötzlich ein leises Plätschern hörte. Nachdem er um eine Felsecke gebogen war, stand er vor einer kleinen Quelle, die einen kleinen Tümpel speiste.

In diesem Moment ging die Sonne auf und tauchte die umliegende Landschaft in ihr goldenes Licht.

Während er sich das reine kühle Wasser über die Hände laufen ließ, hörte er über sich ein leises Krächzen.
Leise vor sich hinlächelnd trank er von dem lebensspendenden Nass…. ja, er würde sein Ziel erreichen!

Ein Desertman überlebt dort – wo andere verdursten.

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Wir haben alle einen fürchterlichen Feind, der uns weit überlegen ist.
Er ist nicht den feindlichen Umständen unterworfen wie wir, weil er eine andere Dimension beherrscht.
Sein ganzes Trachten geht danach uns zu vernichten und zu zerstören. Ja, er hat eine Strategie und mit übernatürlicher Intelligenz plant er die Zerstörung der Kinder des Lichtes.

Entweder wir besiegen ihn – oder er wird uns unweigerlich besiegen.

Doch wir haben eine Chance – eine einzige Chance.
Ja, wenn wir diese alle erkennen, müssen sogar alle die bösen Anschläge des Bösen uns zum Besten dienen.

Durch die Hilfe des Heiligen Geistes dürfen wir lernen, was des Bösen Ziele sind. Mit geöffneten Augen, geschärften Verstand und hörenden Ohren sind wir in der Lage, siegreich zu sein. Doch es gibt da eine Bedingung:

Ein Leben unter der Leitung des Heiligen Geistes, gewappnet durch die Rüstung des Geistes.

Die Wüste wird beweisen, ob wir hier recht „ausgerüstet“ sind. Solange es uns gut geht, fällt es leicht, alles zu glauben oder zu behaupten, doch die Wüste - oder biblisch gesprochen das Feuer - wird beweisen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind. Worte sind Schall und Rauch – das Leben zählt!

Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.
Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. (Eph. 6, 12-13)



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